Wie äußere ich konstruktive Kritik?
Wer kennt es nicht: Die Zuarbeit des Kollegen kam zu spät und war auch noch unzureichend. Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich meine Unzufriedenheit anspreche und dabei riskiere, das eigentlich doch ganz gute Verhältnis zu meinem Kollegen zu riskieren oder nichts zu sagen, meinen Ärger runterzuschlucken und nachts nicht schlafen zu können, weil ich mich eben doch ärgere. Kommt dir diese Situation bekannt vor?
Warum es so schwerfällt, konstruktive Kritik zu äußern?
Das Problem ist, dass wir nie gelernt haben uns konstruktiv für unsere Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Was wir gelernt haben, ist unsere Meinung, unsere Bewertung und unsere Vorwürfe mitzuteilen und dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass dies Konflikte eskalieren lässt. Nun stehen wir da mit einer Situation, die uns unzufrieden macht, trauen uns aber nicht diese anzusprechen aus Angst vor der Eskalation.
Wie unausgesprochene Konflikte die Zusammenarbeit im Team belasten
Jede Teamkultur leidet darunter, wenn Probleme nicht offen angesprochen werden. Wenn Mitarbeitende gedanklich mit diesen Problemen und dem Verhältnis zu anderen Mitarbeitenden beschäftigt sind. Der Fokus hängt und kann nicht mehr auf neue Aufgaben oder aktuelle Herausforderungen angemessen reagieren.
Wie also konstruktiv Kritik äußern? Hier ein paar Tipps und Tricks:
- Der Arbeitskontext verlangt sachlich zu bleiben. In der direkten Kommunikation mit dem Kollegen bleibst du sachlich! Du nutzt aber auch deine Gefühle, um dich auf das Gespräch vorzubereiten. Da ist zum einen wahrscheinlich Sorge, dass die Situation eskaliert. Du brauchst also Sicherheit und diese gewinnst du, indem du das Gespräch gut vorbereitest. Und da ist wahrscheinlich Ärger. Den Ärger nutzt du, um für deine Klarheit zu sorgen und konkret und sachlich anzusprechen, worum es dir geht und was du gerne anders hättest.
- Mache dir Gedanken, wo und zu welcher Gelegenheit du das Gespräch suchst. Sorge dafür, dass ihr ungestört seid und einen ruhigen Raum habt zum Sprechen und Zuhören. Warte nicht zu lange und spricht die Situation möglichst zeitnah an.
- Überlege dir auf welche Situation du dich zu beziehst und fokussiere das Gespräch auf diese eine Situation. In unserem Fall zum Beispiel: „Als ich am Dienstag deine Zuarbeit bekommen habe…“ Kritisiere den Kollegen nicht generell mit Bewertung und Urteilen, zum Beispiel: „Deine Unzuverlässigkeit geht mir schon lange auf die Nerven.“
- Äußere nun was du erwartet hättest oder was dir gefehlt hat. Z.B. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Ergebnisse unserer Besprechung vom Montag in deiner Zuarbeit berücksichtigt sind.“ Du kannst dir zur Gesprächsvorbereitung auch die Fragen stellen, was war zu viel oder was war zu wenig.
- Höre zu! Im besten Fall entsteht durch die Reaktion des Kollegen Vertrauen und Verständnis. Dein Wunsch ist gehört und wird in Zukunft berücksichtigt. Wenn das nicht der Fall ist und dein Gegenüber nur Rechtfertigungen, Entschuldigungen oder Vorwürfen an dich äußert: Ruhig bleiben und
- Mach noch einmal deutlich was dir wichtig ist und welche Vereinbarungen du treffen willst. Mache auch deutlich warum dir das wichtig ist. Z.B: „Ich bin auf eine gute Zusammenarbeit mit dir angewiesen und das Projekt liegt mir sehr am Herzen. Du weißt, dass unsere Projektleitung bis Ende des Monats das Ergebnis erwartet. Darum brauche ich von dir 1), 2), 3)…“
- Frage nach, ob dein Gegenüber bereit ist sich an die Vereinbarung zu halten oder welche Hürden noch im Weg stehen. Sucht gemeinsam nach Lösungen und nächsten Schritten, um diese zu überwinden. Jetzt seid ihr im konstruktiven Miteinander!
TIPPS & TRICKS
Kostenloses PDF: Ein Leitfaden für Gespräschvorbereitung
Was ist konstruktive Kritik?
Konstruktive Kritik bedeutet, Unzufriedenheit, Wünsche oder Verbesserungsvorschläge so anzusprechen, dass ein gemeinsames Verständnis entstehen und sich etwas zum Positiven verändern kann. Statt Vorwürfe zu machen oder die andere Person zu bewerten, geht es darum, konkrete Situationen zu beschreiben, die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen zu formulieren und dem Gegenüber offen zuzuhören. Das Ziel ist nicht, Recht zu behalten, sondern gemeinsam eine Lösung zu finden und die Zusammenarbeit zu verbessern.

